Linksradikalismus

Diese Diskussionsanregung basiert auf einer Reihe von Walter Hanser, die in der Jungen Welt vom 30.10.2004 bis zum 30.04.2004 erschienen ist, und hat dadurch nicht den Anspruch der Richtigkeit und Vollständigkeit! Die Nummerierungen bezeichnen gleichzeitig die unterschiedlichen Artikel, allerdings sind die Überschriften themenbezogen und nicht den Originalüberschriften entsprechend!
Punkt 11), der sich mit dem Neomarxismus befasst wurde ausgelassen, da eine so allgemeine Betrachtung des Themas nicht ausreichte und extra geschehen muss.


1) Übersicht
- Walter Benjamin: „Tidersprung“
- Nach Oktoberrevolution waren dt. + holl. Kommunisten skeptisch
- Starke anarchist. Kräfte in Oktoberrev.: Mancho Bewegung, Kronstädter Aufstände
- Span. Bürgerkrieg: stärkste Auseinandersetzung von Anarch. + Sozialisten
- 50er Jahre: „Operaismus“ in Italien
- Henri Lefebve: Schriften zum Alltagsleben
- Lenin: „Der linke Radikalismus“ analysiert gut versch. Strömungen bei Oktoberrev.
- „Ohne die strengste, wahrhaft eiserne Disziplin in unserer Partei“ wäre das alles nichts geworden, Lenin
- Disziplin war großer Kritikpunkt der Sozialisten an Linksradikalismus
- Strafe für die opportunistischen Sünden der Arbeiterbewegung = Anarchismus, Lenin
- „Streit darüber, ob dem Menschen der linke Fuß oder die rechte Hand nützlicher ist“ = Frage über Rev. von „oben“, Lenin
- Hermann Gorter (1): „Offener Brief an Genosse Lenin“
- 1) wichtigster Vertreter der Linkskommunisten neben Anton Pannekoek und war in KAPD (Kommunistische Arbeiterpartei Deutschland, Abspaltung der KPD)
2) USA I
- Jeremy Brecher = große Historikerin der radikalen amerikanischen Arbeiterbewegung
- John Henry = amerik. Stachanow
- Amerikanische Streikbewegung (hier wurden auch eigene Gewerkschaften der Eisenbahner gegründet) war sehr anarchistisch; sie traten der I.A.A. auch auf Verlangen von Marx nicht bei.
3) USA II
- Johannes Most = beseutendeste Figur der Aufstände in Chicago, sehr radikal
- Waffenfrage spaltete die sozialistische Partei und führte zur 1. Anarchistischen Internationale
- Albert Parsons = anarchistischer Arbeiterführer in den USA neben John Henry
- Haymarket Riot, geführt von Anarchisten, führte zur Zerschlagung der anarchistischen Strömungen
- „Sie haben versucht, die Gesellschaft zu zerstören, nun muß die Gesellschaft sie zerstören“ Chicago Herald
4) Sozialdemokraten und Kommunisten
- SPD-Vorläufern Sozialdemokratische Arbeiterpartei Deutschlands (SDAP) und Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein (die sich 1875 zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands vereinigten, aus der 1890 dann die SPD wurde) teilten sich revolutionäre Arbeiter
- „Das Prinzip geopfert, der erste, politische Kampf zur parlamentarischen Spiegelfechterei herabgewürdigt, das Volk zu dem Wahne verführt, der Reichstag sei zur Lösung der sozialen Frage berufen.“ Willhelm Liebknecht (SDAP-Führer) gab Parlamentarismus eine Absage
- später war Liebknecht selber im Parlament + sah die Dinge anders und stand in der Opposition zu Buchbinder Johann Most und den Agitator Wilhelm Hasselmann, die später nach Amerika emigrierten und sehr radikal waren
- „Die ganze Bewegung ist verflacht und zur puren Reformpartei kleinbürgerlicher Richtung herabgesunken. Die Revolution wird von der Bühne des Reichstags feierlichst abgeschworen. Es geschieht alles, um einen Ausgleich zwischen Proletariern und Bourgeoisie herbeizuführen“ Argumentierung der „Jungen“ in der SPD, Oktober 1891, zunächst Marxisten
- prominentester Kopf, Bernhard Kampffmeyer, Übersetzer der Schriften des russischen Anarchisten Peter Kropotkin, der im Gegensatz zu Max Stirner und Pierre-Joseph Proudhon kein radikalisierter Liberaler war, sondern einen sozialen, kollektivistischen Anarcho-Kommunismus vertrat.
- Freie Arbeiter Union Deutschlands (FAUD) entstand aus syndikalistischen Ideen, der Rudolf Rocker und Augustin Souchy vorstanden
- Robert Michels 1911 „Soziologie des Parteiwesens“ kritisierte Bürokratisierungstendenzen der Sozialdemokratie (wurde allerdings Mitglied von Mussolinis Partei in der 20ern
- Karl Kautsky: Linksradikalisten sind „Anarchosyndikalisten“ und „Russen“
- Liebknecht und Luxemburg bildeten KPD 1919 nach Abspaltung von der SPD aufgrund der Zustimmung zu den Kriegskrediten 1914
- Pannekoek spaltete sich schon 1909 von der sozialdemokratischen Partei Hollands ab und seine Thesen spielten eine große Rolle für die Bildung der KAPD, der die Hälfte der Mitglieder der KPD beitrat
- Die KPD schloss sich mit dem linken Flügel der SPD, der USPD zusammen
- Während des Knapp-Putsches bildete sich die „Rote Armee“ in NRW, die ca 80.000 Mann umfasste, wovon ca. die Hälfte aus der FAUD kamen.
- Max Hoelz war einer der Charaktere, der sich aus der „Blüte des Linksradikalismus“ hervortat
5) Anarchosyndikalisten
- Syndikalismus ist auf die Pariser Kommune von 1871 zurückzuführen
- Syndikat = starke Gewerkschaft, die durch Sabotage + Streiks die bürgerliche Gesellschaft abschaffen will.
- Georges Sorel vertrat sehr radikale Politik, aber wurde durch sein Elitedenken und Nationalismus zum Mitbegründer des italienischen Faschismus. Er hatte allerdings kaum Einfluss auf das Proletariat.
- Da war der russische Anarchist Michail Bakunin wichtiger. Er bezeichnete die Syndikate als „das einzige Mittel eines wahrhaft erfolgreichen Kampfes“ der Arbeiter gegen das Kapital.
- Syndikalismus war sozusagen nach vorn gerichteter Anarchismus, also zukunftsorientiert.
- In Spanien und Italien hatte der Syndikalismus eine lange Tradition. Während des span. Bürgerkrieges (1936) hatte die anarchosyndikalistische CNT 1,6 Millionen Mitglieder und der Parlamentarismus konnte sich nicht etablieren.
- In Russland kamen die anarchistischen Bewegungen erst nach der Oktoberrevolution auf, allerdings wurden diese verboten und verfolgt.
- In Deutschland entstanden die Syndikate erst 1919. Zeitweise hatte die FAUD 150.000 Mitglieder
- 1922/23 entstand die IAA (neu). Ihr internationaler Sekretär wurde Rudolf Rocker, der im Faschismus in die USA emigrierte
6) Rätekommunisten
- „Seit 1789 haben sich in jeder Revolution spontan Räte gebildet, ohne daß irgendeiner der Beteiligten je wußte, daß es dies schon einmal gegeben hat, ohne daß es auch nur einem eingefallen wäre, was sich spontan ereignete, in Gedanken zu fassen“, Hannah Arendt
- seit 1905, Novemberrevolution, war die Forderung der Bolschewiki: “Alle Macht den Räten!“
- Lenin sprach sich in der III. Kommunistischen Internationale gegen Räte aus... „Dummköpfe“
- Paul Mattick war einer der größten Kritiker Lenins und Vertreter der Spontaneität und Räte
- Kronstadt 1921 war in Bolschewistischer Sicht ein Akt, der auf Staatskapitalismus hinaus laufen würde.
- Rätekommunisten waren gegen bolschewistische Linie, sowie gegen die sozialdemokratische
- „Wir treten also nicht als Vorhut der Arbeiter, wie es die Maoisten, die Trotzkisten tun, auf. Nach unserer Meinung ist eine derartige Handlung im Klassenkampf eine nachteilige, weil damit immer die selbständige Bestimmung des Arbeiterkampfes verzögert wird. Man soll auch nie vergessen, daß Arbeiter nicht kämpfen, weil sie das Kapital gelesen haben, sondern weil sie ihre eigenen Interessen aus ihrer unmittelbaren Erfahrung vertreten“ Cajo Brendel, einer der weniger holländischen Rätekommunisten
- Rätekommunisten sahen keine Bauernfrage, waren kritisc h gegenüber der nationalen Befreiung und waren entschiedene Gegner des Schlageter-Kurses der KPD
- Otto Rühle, Rätekommunist war durch den Hitler-Stalin-Pakt dazu verleitet vom „roten Faschismus“ zu sprechen.
7) Leo Trotzki
- Trotzki wurde auch „Lenins Keule“ genannt und verwandelte sich durch stalinistische Bildbearbeiter in Treppen, Säulen und Statuen neben Lenin
- Trotzki erließ den Befehl, die Kronstädter Matrosen „wie die Rebhühner“ abzuschießen.
- Rätekommunist Willi Huhn befand angesichts dieser Entwicklung, daß Trotzki als »der gescheiterte Stalin« anzusehen sei
- Der trotzkistische Ökonom Ernest Mandel nannte es »die dunklen Jahre« des Leo Trotzki, der seine Konzepte einer pluralistischen, sozialistischen Rätedemokratie erst nach seiner Entmachtung entwickelte.
- Tony Cliff gab mit seiner trotzkistischen Analyse des „Staatskapitalismus“ der Kritik Trotzkis an der Bürokratie der Sowjetunion eine fundiertere Basis
8) Spanienkrieg
- Spanischer Bürgerkrieg: Februar 1939: Sieg der Volksfront aus liberalen und linken Kräften, allerdings ohne eine Beteiligung der Anarchisten, die allerdings erstmals nicht zu einem Wahlboykott aufgerufen haben
- Die Arbeiterbewegung sah eher Bakunin als Marx als ideologische Leitung
- Anarchisten sagten: „Wir machen Krieg und Revolution“ und enteigneten Landbesitzer usw.
- Trotzkistischer Regisseur Keni Loach setzte mit dem Film „Land and Freedom“ diesem Prozess ein Denkmal
- Sozialisten planten eine bürgerlich-demokratische Revolution, wogegen Anarchisten die soziale Revolution wollten
- Mitten im Krieg bekämpften sich die Fortschrittlichen gleichzeitig
- Die Prawda verkündete Anfang 1937: „In Katalonien hat man mit der Säuberung von trotzkistischen und anarcho-syndikalistischen Elemente begonnen“ Die Folge waren Säuberungen
- Herbert Marcuse: „Auf den Schlacht- und Mordfeldern des Spanischen Bürgerkriegs wurde zum letzten Mal um Freiheit, Solidarität, Menschlichkeit im revolutionären Sinne gekämpft; noch heute sind die Gesänge, die für und in diesem Kampf gesungen wurden, für die heutige Generation der einzig noch bleibende Abglanz einer möglichen Revolution.“
9) Die Surrealisten
- französische Gruppe der Surrealisten offiziell 1924 gründete, wollte die Handvoll pro-revolutionäre Künstler und Schriftsteller unter Federführung von André Breton ihr Unbewußtes ausleuchten (Traumprotokolle usw.)
- Doch weil der Dadaismus zur harmlosen Posse zu verkommen drohte, verkündete André Breton eine Revolution des Geistes, die praktisch werden sollte. ?
- Zur politischen Praxis wurden die Surrealisten durch den französischer Kolonialkrieg 1925 gegen Marokko getrieben. Der Elfenbeinturm wurde verlassen, surrealistischer Idealismus schlug jäh in einen propagierten Materialismus um. 1927 trat die Künstlergruppe der französischen Sektion der Kommunistischen Internationale bei
- Dabei bewahrten sich die Surrealisten jedoch ihren eigenen libertären Standpunkt, wonach alles zu tun sei, »um Familie, Vaterland, Religion zu zerschlagen«
- „Die Welt verändern‹, sagte Marx, ›Das Leben ändern‹, forderte Rimbaud, uns aber verschmelzen beide Aussprüche zu einem einzigen Schlachtruf.“ Herbert Marcuse zeigte gut den rationalen Anspruch in der KP
- Für die Surrealisten sollten alle Bereiche des Überbaus revolutioniert werden: die Kultur, der Geist, die Psyche, die Moral.
- Luis Aragon distanzierte sich von ihnen
- Schließlich wurde Breton zusammen mit Paul Eluard und René Crevel Ende 1933 aus der KP ausgeschlossen. Grund: Kritik an der bolschewistisachen Kulturpolitik
- Im Sommer 1936 sollte ein »Internationaler Schriftstellerkongreß zur Verteidigung der Kultur« von der Komintern ausgerichtet werden. Die Surrealisten brandmarkten diesen Kongreß als Spektakel der Anbiederung an den bourgeoisen Klassenfeind (und gleichzeitig kassierte Ilja Ehrenburg von Breton eine Ohrfeige, weil dieser die Surrealisten als eine Gruppe von Päderasten bezeichnet hatte).
- Surrealisten formten Contre-Attaque (tlw. Antinational), die sich aber aufgrund von faschistische nahen Tendenzen auflöste, weil die wichtigsten Mitglieder mit ihr brachen.
- Die Außenseiterposition und die gemeinsame Gegenerschaft zum Stalinismus führte Breton an die Seite von Leo Trotzki, auch wenn er selbst nicht zum Trotzkisten wurde. Schon in den 20er Jahren verschlang er Schriften von Trotzki und reiste dann 1938 zum exilierten Gründer der Roten Armee nach Mexiko. Zusammen mit Diego Rivera verfaßten sie das Manifest »Für eine unabhängige revolutionäre Kunst« und gründeten die »Internationale Föderation der unabhängigen revolutionären Kunst (FIARI)«
- Bis zu den 60ern suchten die Surrealisten noch die Öffentlichkeit, aber verranten sich oft, wie zum Beispiel durch ein Beschäftigung mit dem utopischen Sozialismus von Charles Fourier
10) Die Italiener Antonio Gransci und Amadeo Bordiga
- Antonio Gramsci: willkürlicher Gebrauch: „Zivilgesellschaft“
- »Im Gegensatz zu Gramsci ging ich nie davon aus, daß Fabrikbesetzungen uns der sozialistischen Revolution näher bringen können.« Amadeo Bordiga, ital. Kommunist
- er war für bedingungslosen Internationalismus und war für gemeinsame Regierung der Sowjetunion.
- Er war der Letzte, der Stalin ins Gesicht sagte, dass er ein Verräter sei.
- Er hielt an der Ansicht fest, daß der Stalinismus lediglich »bürgerlich-revolutionär« sei.
- Anders als Trotzki konnte er in der Sowjetunion keinen »degenerierten Arbeiterstaat« erkennen, er sah in ihr nur eine Form des Kapitalismus, die von einer Parteiclique regiert werde.
- 1925 kritisierte Gramsci, der vorher Bordiga als Führer der PCI abgelöst und ins Abseits manövriert hatte, die bordigistische Position wegen ihrer »Vorliebe für die revolutionären Posen«
- In der Frühphase des italienischen Faschismus lehnte Bordiga eine eigenständige antifaschistische Arbeit ab und meinte, daß Antifaschismus lediglich die revolutionäre Identität der Partei und der Arbeiterklasse aufweichen würde.
- 1930: Rausschmiss aus der Partei
- In dem wichtigen und erschreckend einfach gestrickten Text »Alibi Auschwitz« beklagten sie, daß die Greuel des deutschen Faschismus instrumentalisiert würden, um sie den Arbeitern unter die Nase zu reiben und den »normalen« westlichen Kapitalismus als positiven Bezugspunkt anzubieten.
11) Neomarxismus
- Erst einmal ausgelassen, da sich diese Schrift mit dem Neomarxismus befasst und dies muss extra geschehen!!!
12) SI – Situationistische Internationale
- Gegen eine Politik der Trennung, gegen das Aufspalten des Lebens in verschiedene Sphären war in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Situationistische Internationale (SI) in Frankreich entstanden.
- War für eine fundamentale Infragestellung der kapitalistischen Gesellschaft durch spontan geschaffene revolutionäre Situationen.
- Die SI war stark beeinflusst von dem Philosophen Henri Lefebvre
- Kopf der SI: Guy Debord
- SI beerbte den Neo-Marxismus (Lucacs)
- Bei Lukacs muß sich das Bewußtsein in der kommunistischen Partei manifestieren, die eine Gegen-Totalität zur bestehenden kapitalistischen darstellen sollte, bei der SI sollte sich das »enorme Bewußtsein« (Marx) in der SI einerseits und in Arbeiterräten andererseits ausdrücken.
- Die Revolution sollte sexy sein. So wurden Werbe-Girlies für Marx-Zitate verwendet, aber die Werbe-Branche machte dem ganzen einen Strich durch die Rechnung.
- Rätebildung und Abschaffung der Lohnarbeit und aller Institutionen, die darauf vorbereiten – das war das Programm der »Situs«, es ging ihnen darum, vom revolutionären Generalstreik zur generalisierten Selbstverwaltung zu gelangen.
- Folglich würde die Aufgabe der Arbeiterräte nicht die Selbstverwaltung der bestehenden Welt, sondern ihre ununterbrochene, qualitative Umwandlung sein: die konkrete Aufhebung der Ware (als gigantische Umlenkung der Produktion des Menschen durch sich selbst)
- Diese Aufhebung impliziert selbstverständlich die Abschaffung der Arbeit und ihre Ersetzung durch einen neuen Typ freier Tätigkeit, also die Abschaffung einer der grundsätzlichen Spaltungen der modernen Gesellschaft in eine zunehmend verdinglichte Arbeit und passiv konsumierte Freizeit.«
- »Travaillez pas« – Arbeitet nie!
- Die Situationisten waren böse: böse zu anderen, doch auch hart zueinander. Guy Debord, der Kopf der SI, bewirkte regelmäßig Ausschlüsse von Mitgliedern der SI, die dann so endete, wie nicht anders zu erwarten: in einer Spaltung.
13) Italienische Radikale
- In Italien (60er) formte sich Gruppe, die mit der KPI brach und die PCI gründeten (Operaismus).
- Mit sehr verblendeten Ansichten wirkten diese bei Streiks mit (z.B.: Selbstkritik der Arbeiter oder Nachkriegskapitalismus = Planwirtschaft, Umweltbewusstsein)
- Hauptideologe: Mario Tronti
- In den 70ern formte sich eine Gruppe der Parkbankindianer, die autonom lebte. Als 1979 7000 Leute (einschließlich des Kaders)verhaftet wurde, löste sich die Gruppe auf.
14) 68er I
- Eines aber ist schon lange vorbei: der Versuch, die Kritische Theorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zum Urheber des Terrors und der Revolte zu stilisieren, wie es 1977 noch der baden-württembergische Ministerpräsident Hans Filbinger tat.
- 68 war eine weltweite antikapitalistische Revolte, die in der Bundesrepublik unmittelbar mit der Kritischen Theorie verbunden war, aber sich als Revolte von ihr lösen und den Rahmen der Theorie überschreiten mußte.
- Eine Erklärung der Praxis mit der Theorie ist allein schon aus dem Grund nicht möglich, dass sich die Institutionen nach dem Zeiten Weltkrieg stark veränderten, somit auch die wissenschaftlichen Studien.
- Denn »Adornos gesellschaftstheoretische Einsichten, derzufolge das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie anzusehen sei, ließ seine progressive Furcht vor einer faschistischen Stabilisierung des restaurierten Monopolkapitalismus in regressive Angst vor den Formen praktischen Widerstands gegen diese Tendenzen des Systems umschlagen« Hans-Jürgen Krahl, Frankfurter SDS- Theoretiker
- Die praktischen Auswirkungen der Kritischen Theorie waren ’68 radikaler als ihre Protagonisten.
- Die Studenten wurden aber auch von der Praxis widerlegt: es schlossen sich wenige junge Arbeiter ihnen an.
- Krahl: Auslöser für Studentenbewegung: »Trauer um den Tod des Individuums
- Leute, die sich mit der Arbeiterbewegung im SDS auseinandersetzten und sich ihr annäherten begangen „Klassenverrat“.
- Hans Jürgen Krahl versuchte, den westlichen Marxismus weiterzutreiben, seine Schriften und Reflektionen, die er in einem Koffer sammelte, wurden erst posthum nach seinem frühen Unfalltod im Jahr 1970 veröffentlicht. »Konstitution und Klassenkampf« ist neben der Schrift des Blochianers Rudi Dutschke, »Versuch, Lenin auf die Füße zu stellen«, und Bernd Rabehls »Geschichte und Klassenkampf« die wichtigste theoretische Schrift der außerparlamentarischen Studentenbewegung in der Bundesrepublik.
15) 68er II
- Die kulturrevolutionäre Seite von »1968« hat ihre Wurzeln in den USA. Genauer betrachtet müßte 1968 auf 1964/65 zurückdatiert werden.
- Vietnamkrieg, Apartheid und eine verklemmte und repressive Vorgartenkultur der white anglo-saxon protestants ließ die Kinder die Flucht in Kommunen, LSD, Sex und lange Haare antreten.
- An den Unis wurde die „Rückkehr des neuen Amerikaners“ (Leslie Fiedler, amerik. Literaturprofessor) gefeiert. Man wollte sich nicht nur ausziehen, sondern sich auch emanzipieren von Eltern, Bullen und KKK.
- Die von den Eltern als „jüdisch“ und „zersetzend“ bezeichneten freudo-marxistischen Bücher wurden wieder rausgekramt und kamen zu neuen Ehren.
- In einer Universität in Frankreich in Nanterre wollten Studenten die Trennung von Männern und Frauen im Studentenwohnheim erreichen.
- Die Wohnheime wurden von weiblichen und männlichen bewaffneten Studenten besetzt.
- Willhelm Reich verbannte Ché und Mao!
- Die Schriften dieses aus der KPD ausgeschlossenen Sexualtheoretikers waren auch die ersten der zahlreichen Raubkopien in der BRD.
- Reich kam aus der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, sympathisierte mit der kommunistischen Bewegung, trat in die KPD ein und versuchte sich an einer praktischen Verbindung von Marxismus und Psychoanalyse.
- Er gründete den deutschen Reichsverband für Proletarische Sexualpolitiker und rief den Verlag für Sexualpolitik (SexPol) ins Leben.
- Seine Schriften gelten neben denen von Benjamin und Horkheimer zu den wichtigsten Raubdrucken der BRD-Studentenbewegung.
- »Massenpsychologie des Faschismus« wurde zuerst vervielfältigt.
- Besonders die Familie erfuhren die rebellierenden Schüler und Studenten nicht nur als belastete und über die Nazi-Verbrechen sich ausschweigende Bande, sondern auch als Ort der Repression.
- Die Kommune 2 gab deshalb 1967 die Parole aus: »Zerschlagt die bürgerliche Kleinfamilie!«.
- Während die Großen der Kritischen Theorie zu Konservativen geworden waren, zeigte sich der Sozialphilosoph Herbert Marcuse begeistert von der Revolte.
- Die deutsche subkulturelle und außerparlamentarische Szene vertrat die Kommune 1.
- Dieter Kunzelmann, vom Situationismus beeinflußter Kommunarde und Antiautoritärer, brachte ihr Programm mit seiner abgründigen Parole etwas verzerrt auf den Punkt: »Was geht mich der Vietnamkrieg an, wenn ich Orgasmusschwierigkeiten habe!«
- Die aus der K1 entstandene Kommune 2 rief die »Revolutionierung des bürgerlichen Individuums«
- Im November 1968 verteilte ein Frankfurter Weiberrat auf einer SDS-Delegiertenkonferenz einen »Rechenschaftsbericht«, auf dem eine mit Beil bewaffnete hexenartige Frau zu sehen ist, über deren Sofa eine Sammlung abgehackter und ausgestopfter Penisse die Wand zierte: »Befreit die sozialistischen Eminenzen von ihren bürgerlichen Schwänzen!«
- Eine verallgemeinerte Sexualisierung ohne Bruch mit den kapitalistischen Formbestimmungen konnte mit den Klassikern des Freudo-Marxismus nicht begründet werden
- Ab den 80er Jahren wurden dann ohnehin mit »Gender« und »Diskurs« postmodern die Libido und der Trieb weggelabert.
16) RAF
- In ihrem ersten politischen Manifest, »das Konzept Stadtguerilla« von April 1971, redete die von der Bürgerpresse als »Baader-Meinhof-Bande« Rote Armee Fraktion vom Primat der Praxis!
- »Ob es möglich ist, den bewaffneten Widerstand jetzt zu organisieren, hängt davon ab, ob es möglich ist; ob es möglich ist, ist nur praktisch zu ermitteln.«
- „Burn Warehouse Burn“ schrieb die Kommune I.
- 2.4.1968 zündeten Gudrun Ensslin, Johannes Baader und andere ein Kaufhaus in Brand
- Die Wurzeln waren die gleichen wie in der Studentenbewegung
- Interessant ist die theoretische Spontanität und Schnelleinnehmung der Jugend
- »Leninisten mit Knarre«, wie der Anarchist Peter Paul Zahl formulierte.
- Bewegung 2. Juni (Anarchistische Stadtguerilla, die sich namentlich auf das Datum von der Ermordung von Benno Ohnesorg berief) kritisierte die RAF
- Sie lasen Régis Debray, der seit 1966 Philosophie an der Universität von Havanna lehrte und zusammen mit Fidel Castro 1967 das Buch »Revolution in der Revolution« geschrieben hatte, oder das Minihandbuch des Stadtguerilleros, das vom Führer der brasilianischen Guerillaorganisation, Carlos Marighella, geschrieben worden war.
- Gern malen Linke das Bild der arrogant-leninistischen RAF und der lustigen, bei Banküberfällen Mohrenköpfe – so hieß es damals – verteilenden Bewegung 2. Juni.
- Theoretische schlecht erfasst sind die Revolutionären Zellen (eine halblegale Bewegung), die sich in den 80er Jahren zu einer der zumindest theoretisch reflektiertesten Guerillagruppen, die die linksradikale Bewegung mit vorwärtsweisenden Texten und Themen setzenden Taten begleitete, mauserten.
- Das Gehirn von Ulrike Meinhof sollte in Heidelberg nach ihrem Tod 1976 auf Abnormalitäten untersucht werden.
- RAF zeigt, dass bewaffneter Kampf in Deutschland möglich ist, aber das man ihn unmöglich gewinnen kann,
17) Gesundheitsmarxisten
- „Gesundheit der Zustand optimaler Leistungsfähigkeit des Individuums“ Talcott Parsons, Soziologe
- Alexander Mitscherlich stellte heraus, daß Krankheit als Konflikt zu betrachten sei; Krankheit als Ausdruck der Nichtübereinstimmung mit gesellschaftlichen Forderungen
- So wollten viele die widersprüchliche Kapitalismusauffassung in Form von Krankheitsbildern widerlegen
- „Politische Revolution ohne innere Revolution ist Konterrevolution“, Dieter Duhm
- so bildeten sich noch viele unterschiedliche Strömungen
- Therapie sollte mit politischer Agitation zusammenfallen.
- Die Einsicht in das unglückliche Dasein im Kaptalismus sollte das neue Klassenbewusstsein darstellen
- 1970 war eine Pazientenvollversammlung, wo das SPK die neuen Thesen vorstellte, worauf der Prorektor der Universität gefeuert wurde.
- es kam zu Hungerstreiks, Besetzungen von Dienstzimmern, zahllosen Go-Ins, Sit-Ins und Teach-Ins. Das SPK wurde von Innen zerschlagen
- So wurde von inhaftierten AnhängerInnen der Strömung die Patientenfront (PF) gegründet
- »Aus der Krankheit eine Waffe machen«, Sean Paul Satre
- Michel Foucault, Intellektuellenstar der frz. Szene, gab den Ansätzen eine theoretische Basis, die aber nicht klarmachte ob Krankheit die Flucht vor dem Überkomplexen in das Klare oder nur der Widerschein der kapitalistischen Regressionsmaschinerie sei
18) Maoisten
- Nach der in Deutschland übrigen relativ kleinen „Antiautoritätenzeit“ schossen Maoistische Gruppen wie Pilze aus dem Boden
- Marx war nicht mehr länger theoretische Basis, die mühsam erarbeitet werden müsste, sondern man stützte sich auf die Volkstheorien von Mao
- Man vergas den Klassenkampf und sah nur noch das Volk als revolutionäre Größe
- Nach dem Tod des herausragenden SDS-Theoretikers Hans-Jürgen Krahl mauserten sich die meisten geschulten westlichen Marxisten zu Seminarmarxisten und schrieben die besten Dissertationen, die in Deutschland jemals geschrieben wurden
- An den Unis machte sich dagegen die Mao-Bewegung stark , die mit der Mao-Bibel in der Hand große revolutionäre Sprüche klopfte
- So kam ein völlig verblendetes Antiimperialismmusverständis auf, das nicht mehr zwischen Feind und Freund unterscheiden konnte. So wurde zum Beispiel von einigen Gruppen gefordert in die Bundeswehr zu gehen um die UdSSR abwehren zu können.
- Im sogenannten Deutschen Herbst 1977 waren alle wichtigen K-Gruppen mit Verbot bedroht, 20000 Anhänger demonstrierten.
- Mao wurde Pop.
- Man brachte Phrasen auf die Straße, die einen Staatsfetischismus pflegten und die Volksgefängnisse u.a. forderten. Dies war sehr sektenartig.
- Ironie: „Diejenigen, die den maoistischen Terror für die Befreiung der Unterdrückten hielten, preisen heute den Aufschwung des wilden Kapitalismus auf weltweiter Ebene“, Charles Reeve Rätekommunistischer Kritiker des Maoismus.
- »Die Macht kommt aus den Gewehrläufen«, damals gebräuchliche Parole
- »Sie diskutieren. Sie diskutieren zwar mit ihrem Mao Tse-tung unterm Arm. Mir scheint, daß durch diese diskutierende Haltung, daß also durch die permanente Bereitschaft, zu kritisieren und sich kritisieren zu lassen, genau der Punkt erreicht wird, an dem man eines Tages auch nicht mehr seinen Mao unterm Arm hat, sondern in den Schrank stellt.“ Ulrike Meinhof
- China ist sicher. Ex-Maoisten regieren den alten Wirtschaftsstandort hierzulande und den neuen Zukunftsmarkt in China. Dem Volke dienend.
19) Anti-Iran-Bewegung
- »Sehen Sie, die meisten Perser sind nicht nach Süßigkeiten ausgehungert, sondern nach einem Stück Brot«, schrieb Ulrike Meinhof in ihrem offenen Brief an die Ehefrau des Schah, die in einem Boulevardblatt ihren Heisshunger auf Schokolade kund tat.
- Benno Ohnesorg wurde auf einer Anti-Schah-Demo 1967 erschossen
- Die Linke war begeistert von den Studentenaufständen im Iran.
- Ruhollah Khomeini und sein Khomeinismus wurde weniger materialistisch untersucht als ihn zu einem revolutionären Mythos zu machen.
- Foucaultging in den Iran und hielt begeisterndere Reden über die Bewegung dort. Dabei kam eigentlich kein Wort über den Klassenstandpunkt heraus.
- Einzig die orthodoxen ML-Gruppen analysierten die Khomeinisten als kleinbürgerlich-terroristisch und lehnten diese ab.
- Islam-Experte Maxine Rodinson legte sich mit Foucault an. Er lieferte aber eine bessere Klassenanalyse. Er bezeichnete die Regierung im Iran als „halbarchaischer Faschismus“
- Als dann der Mullahg durch Massenaufstände abdankte, wurden fördernde Stimmen laut, die dies befürworteten. Zum Beispiel Satre, der zur finanziellen Unterstützung aufrief.
- Linksradikale Zeitschriften berauschten sich dagegen eher mit Phrasen, wie: »Ich halte nichts vom Kommunismus und Maoismus, denn es sind revolutionäre Bewegungen, die damit enden, daß die Massen in materieller Hinsicht besser leben. Aber diese Ideologie besitzt nur scheinbar eine spirituelle, geistige Seite.«
20) Cyberspace-Kommunisten
- Die Polemik gegen den Staat und das Eintreten für das freie, vernetzte, jeder Bindung beraubte Individuum wurde zur perfekten Überbau-Ideologie der neuen Programmierer, New-Economy-Free-Lancer und Werbebranchentrottel.
- So wurde gewisser Weise ein Cyberspace-Kommunismus heraufbeschworen.
- Eine andere Bewegung beschränkte sich auf das „Totale“. Da die Analysen von Marx angeblich „total“ geworden seien, würden sie nicht mehr stimmen.
- So wurde auch eine Anti-Maschinen Linke geboren, die sich mit Gewalt gegen die Industrialisierung richtet.
- Ted Kaczynski war Mitbegründer einer „Back-to-Nature“ Bewegung. Während andere Alt-68er in der Technikbranche Karriere machten, rief er zum revolutionären umschwung durch zerstörung des Fortschritts auf.
21) Autonome
- 1977 erhängte sich die ehemalige RAF-Führung im Gefängnis
- Der »Deutsche Herbst« verschüchterte die Linksintellektuellen.
- Dieses »Modell Deutschland« (Helmut Schmidt) wurde mit dem Sponti-Spruch »Es ist deutsch in Kaltland« Peter Brückner auf den Punkt gebracht.
- Der gewiefte Berliner SPD-Wissenschaftssenator Peter Glotz setzte auf Dialog und Einbindung: »Die ›Alternativkultur‹ sollte«, so schreibt der große Chronist der autonomen Bewegung, Geronimo, »für die ›Mehrheitskultur‹ als eine Art gesellschaftliches ›Soziallaboratorium‹ und ›Experimentierfeld‹ dienen«.
- So entstanden die Autonomen.
- Hier blühten dann auch die ersten neoliberalen Phantasien im libertären Gewand, eine Anti-Gewerkschafts- und Anti-Staatshaltung, die das Befreiende des Marktes pries. ?
- Hausbesetzungen folgten.
- Autonome Geschichte lässt sich am besten von den Protagonisten selbst beschreiben. Aber der Hass auf die 68er ist weit verbreitet.
- »Ihr seid Lehrer und Beamte, seid Gelehrte sogenannte, Marx und Lenin auf dem Nachttisch ... ihr seid nichts als linke Spießer!«, Slime, Punkband
- Anti-AKW-Bewegung brachte viele Leute in die Autonome Bewegung.
- Autonome forderten auf ihren Demos »Feuer und Flamme für diesen Staat!«
- Es ging im übergeordeten Sinn um »Freiräume«, auch im Wald, aber vorzugsweise in der Stadt.
- Autonome waren immer der Versuch, Adorno praktisch zu widerlegen: Es gibt sehr wohl das richtige Leben im falschen.
- Prominente Beispiele: Hamburger Hafenstraße und 1.Mai 1987 in Berlin
- Politisierungsversuche scheiterten
- Die Wiedervereinigung brachte die ProtagonistInnen in solch eine starke Krise, dass diese in der ehemaligen starke zusammen fanden.
- Freiburger Autonomen Studis, die in ihrer Broschüre »Mit den Überlieferten Vorstellungen radikal brechen!« feststellten: »Die Häuserkampfbewegung konnte sich zu Recht als revolutionär mißverstehen. Zu Recht: denn ihre Militanten waren (und sind) die einzigen, die durch ihre Praxis die Grundlage des Systems radikal in Frage stellten; mißverstehen: eine sich kaum mehr als über ein gemeinsames Lebensgefühl definierende, ihrer Herkunft nach mittelständische ›Szene‹ hatte selbst zu ihren Glanzzeiten kaum Aussicht auf Ausweitung über ihren soziologischen Einzugsbereich hinaus, und selbst wenn: dann würde sich schnell zeigen, daß mit ›Identität‹ keine Revolution zu machen ist.«
- Es kam noch zu anderen Aktivitäten im autonomen Spektrum (Berliner Olympiabewerbung, Mainzer Hausbesetzungen (militante Autonome als Anwälte der „kleinen Leute“).
- Es kam aber zu einer verstärkten Antifa-Arbeit vor allem in den neuen Bundesländern. Trotzdem war dies meist nur eine Durchreise von jungen Leuten, die der Antideutschen Bewegung keinen Einhalt bieten konnten.
22) Punk
- »Wenn ich nicht tanzen kann, ist es nicht meine Revolution«, so lautet der gerne zitierte Satz der Anarchistin Emma Goldman
- Musikkultur ist auch ein Thema in der Analyse der Linken.
- Für Walter Benjamin war die reproduzierbare Kunst Ansatzpunkt revolutionär-politischer Agitation. Masse – Klar! Am besten eine kritische. Vielleicht muß subversive Musik auf der Höhe der Zeit sein, Fleisch vom Fleische und trotzdem ein bohrender Stachel.
- Die Punkbewegung war zwar eigentlich eine Bewegung gegen alle Ismen, aber trotzdem gabe es Solikonzerte für streikende Stahlarbeiter.
- In Deuschland: Punks waren Plastic People, die jedoch die Konsumententräume des braven Bürgers platzen ließen.
- »It’s not ... Vietnam, just another oil company scam / Salute that flag of Uncle Sam / Get your money out, place your bets…it’s Afghanistan.« amerik. Band Cercle Jerks,
- In Anlehnung an E. P. Thompson könnte man sagen, daß Punk, ähnlich wie der Klassenkampf, kein Ding ist, sondern ein Ereignis.
- Hier findet dann eine etwas abgehobene Analyse der Punkszene statt
23) Antideutsche
- Marx war antinational. Kommunismus, so hielt Marx in der »Deutschen Ideologie« fest, sei nur als »Tat der herrschenden Völker ›auf einmal‹ und gleichzeitig möglich«.
- Denn das Proletariat könne nur »weltgeschichtlich existieren, wie der Kommunismus, seine Aktion, nur als ›weltgeschichtliche‹ Existenz überhaupt vorhanden sein kann«.
- Den »Antinationalen« ging es um »Kein 4. Reich«, um Antirassismus, um »Etwas-Besseres-als-die-Nation«. Sie waren gegen »Mob« und »Pöbel«.
- Die Antinats wollten nichts vom Proletariat, das durch die Meinung der Kapitalisten geformt ist, hören.
- Daß die Bewegung des sich verwertenden Werts global und grenzenlos ist, wußten schon Marx und Engels im Kommunistischen Manifest.
- Die Rätekommunisten haben Marx Revolutionstheorie gut verstanden, indem sie sich für die unterdrückten Völker einsetzten.
- Die Antideutschen dagegen hatten hier eine eher verblendete sichtweise.
- So zur Israel-Frage: »Allein eine entschlossene internationalistische und antistaatliche, revolutionäre arabische Bewegung kann gleichzeitig den israelischen Staat auflösen und die von ihm ausgebeuteten Massen für sich gewinnen. Sie allein kann durch denselben Prozeß alle bestehenden arabischen Staaten auflösen und die arabische Einigung durch die Macht der Räte errichten.«
- Die Antideutschen machen aus dem Kommunismus und Linksradikalismus eine „Bürgersöhnchenideologie“ (ein Schimpfwort gegen Linksradikalismus), indem sie durch Sektierertum, das in einer autoritären Politik des Ausschlusses und in persönlichen Beleidigungen zu sich selbst kommt.
- Geschichtlich gab es das schon mal bei den Situationisten: Genau das kritisierten die Altsituationisten aber auch an den bereits in den frühen 70ern auftauchenden studentischen Pro-Situs, da diese »in der S.I. [Situationistische Internationale] nicht eine bestimmte kritisch-praktische Aktivität gesehen [haben], die die sozialen Kämpfe einer Epoche erklären kann oder ihnen vorausgingen, sondern bloß eine extremistische Idee«, mit der man sich schmücken könne, um verwegen zu wirken. So sei die ursprünglich revolutionäre Theorie zu einer toten Ideologie gemacht werden.
- Wer »Biene Baumeister Zwi Negators« unlängst erschienene Aneignung der »Situationistischen Revolutionstheorie« liest, bekommt einen guten Eindruck, wer die Pro-Situs von heute sind.
24) Antiimps
- Nach den erfolgreichen WTO-Protesten in Seattle schien die Linke einen neuen antiimperialistischen Aufschwung erhalte zu haben.
- Das kapitalistische System galt abermals als gescheitert.
- Leninisten versuchten Leute in sich zu vereinnahmen und ATTAC mauserte sich zur Massenorganisation mit seinen Anti-Finanzkapitaistischen Parolen
- Der Mord an Carlo Giuliani auf dem G8-Gipfel in Genua stellten die Frage der Gewalt wieder auf.
- Der 11.September gab einen guten Anlass für neue Repression
- Von Antonio Negri und Michael Hardt wurde 2002 der Bestseller »Empire« und 2004 als Folgeschrift »Multitude« herausgegeben.
- John Holloway hat mit »Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen« einen Alternativentwurf dazu vorgelegt.
- Diese Bücher werden weltweit diskutiert!
25) Fazit
- »Die Sekte sieht die Berechtigung für ihre Existenz und ihren Stolz nicht in dem, was sie mit der Klassenbewegung gemeinsam hat, sondern in der besonderen Gepflogenheit, die sie von der Bewegung unterscheidet.« Karl Marx
- Der Linksradikalismus war und ist nur stark, wenn die Linke es auch ist.
- Der Arbeiterradikalismus bekämpfte und benötigte dennoch die breitere und zahmere Arbeiterbewegung.
- Im Kommunistischen Manifest empfahl Marx den Kommunisten, in den Bewegungen aktiv zu sein und gleichzeitig immer die Eigentumsfrage zu stellen. Das ist erheblich zu wenig, es sollte alles in Frage gestellt werden: die Kompromisse, die Organisationsformen, die Inhalte der Politik.
- Die linksradikalen Bewegungen waren in den letzten Jahren zu brav.
- Zwar brachten viele SchülerInnen ein wenig Schwung in die Anti-Irakkriegsbewegung, trotzdem war diese Bewegung sehr pazifistische orientiert.
- Die nationalen Beschränktheiten mußten deshalb innerhalb der Friedensmärsche kritisiert und aufgebrochen werden.
- Wichtig ist auch die Frage nach dem Feind – Wer ist das Überhaupt?
- Eine Aktualisierung des Faschismus-Begriffes ist ein sehr schwieriges Unterfangen.
- Den wirklichen Antagonismus ins Bewußtsein zu heben, ist die aktuelle Aufgabe des Linksradikalismus.
- Vielleicht ist die Aufgabe des Linksradikalismus heutzutage, auf diese Staatsvertrottelung der Linken aufmerksam zu machen und wieder die von unten kommenden Kämpfe um ein gutes Leben in den Mittelpunkt zu rücken.


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