Selbstbestimmungsrecht der Völker vs. spanische Verfassung?
Das Selbstbestimmungsrecht der Völker geht zurück auf den US-Präsidenten
Woodrow Wilson und entstammt aus seinen Friedensbemühungen im Ersten Weltkrieg. Nach ihr hat jede ethnische Volksgruppe das Recht über ihr eigenes Los frei zu bestimmen. Das Menschenrecht legt die Selbstbestimmung darin fest, dass die Freiheit der einen Partei da endet, wo die Freiheit der Anderen anfängt.
Das Selbstbestimmungsrecht der Völker ist in der Charta der Vereinten Nationen im ersten Artikel festgeschrieben und wurde am 26. Juni 1945 in San Francisco ratifiziert. Spanien trat am 14. Dezember 1955 den Vereinten Nationen bei und hat somit auch das Selbstbestimmungsrecht der Völker unterzeichnet.
In der realen Politik Spaniens wird jedoch dieses Recht den Basken verweigert.
Spanische Verfassung
Art. 2. Die Verfassung gründet sich auf die unauflösliche Einheit der spanischen Nation, gemeinsames und unteilbares Vaterland aller Spanier; sie anerkennt und gewährleistet das Recht auf Autonomie der Nationalitäten und Regionen, aus denen sie sich zusammensetzt, und auf die Solidarität zwischen ihnen.
Art. 8. (1) Die Streitkräfte, bestehend aus Heer, Flotte und Luftwaffe, haben die Aufgabe, die Souveränität und Unabhängigkeit Spaniens zu garantieren und seine territoriale Integrität und Verfassungsordnung zu verteidigen.

Die spanische Verfassung wurde weder vom dem lokalen baskischen Parlament noch von der baskischen Bevölkerung anerkannt, denn diese Verfassung gesteht den Basken zwar ein Recht auf Autonomie, aber aberkennt ihnen zugleich die vollständige Unabhängigkeit. Die spanische Armee soll sogar die territoriale Integrität Spaniens verteidigen und muss somit die Unabhängigkeitsbestrebungen der Basken im Zweifelsfalle mit militärischen Mitteln lösen.
Manuel Fraga Iribarne, welcher ein Minister der Francodiktatur und einer der Mitbegründer der spanischen Volkspartei (Partido Popular) war, ist heutzutage der Regierungschef in Galicien, forderte die verschiedenen Unabhängigkeitsbestrebungen in Spanien mit dem Einsatz des Militärs zu bedrohen, denn ihre Aufgabe wäre die „ Souveränität, Unabhängigkeit und die territoriale Einheit“ zu beschützen. Und fügte hinzu, dass „ wenn einige dieses Drama in Angriff nehmen wollen, nur zu.“
Die Partido Popular ist eine Partei, welche den Francofaschismus nicht verurteilt.
Im spanischen Bürgerkrieg (1936-1940) wollte die Militärdiktatur den Widerstande der baskischen Nation brechen, in dem sie von den 1,4 Millionen in Spanien lebenden Basken 15.000 ermordete , 30.000 verhaftete und mehr als 150.000 Basken in die Flucht trieb.


Wirtschaft contra Unabhängigkeit?
Die Basken sollen mit allen Mitteln „überzeugt“ werden, dass für sie eine vollständige Unabhängigkeit von Nachteil wäre, damit sie sich von Spanien nicht loslösen.
Behauptet wird unter anderem, die baskische Wirtschaft wäre nicht in der Lage unabhängig zu bestehen und würde zu einer Misswirtschaft verfallen.
Ihre Wirtschaft sei noch nicht bereit auf eigenen Füßen zu stehen.
Bruttoinlandsprodukt Gesamt Pro Kopf
Spanien (2003) 742 Mrd. EUR 17.000 EUR
Baskenland (2002) 42,5 Mrd. EUR 20.118 EUR
BIP pro EW (2003)
Europa 15: 100%
Europa 25: 91,7%
Baskenland: 107%
Spanien: 87%
Jedoch belegen die Wirtschaftszahlen was anderes, denn die baskische Wirtschaft ist produktiver als die spanische und deshalb komme ich zu dem Schluss, dass Spanien auch wirtschaftlich einen erheblichen Nachteil hätte, wenn das Baskenland sich für unabhängig erklärt.
Deshalb reagieren sie ja auch so drastisch, wie die Äußerung von Manuel Fraga Iribarne. Mal wieder stehen wirtschaftliche Interessen den menschlichen Bedürfnissen entgegen und werden von der Politik als höheres empfunden.
Baskenland 7234 km²
Luxemburg 2586 km²
Monaco 1,95 km²


Die Überlegung das Baskenland sei zu klein, um als ein unabhängiges Land zu bestehen, würde die herrschende Situation z.B. innerhalb der EU widersprechen, da in ihr Mitgliedsstaaten sind, welche noch kleiner als das Baskenland sind, jedoch trotzdem als eigene Staaten agieren und bestehen, deshalb ist dieses Argument paradox, da auch Spanien in der EU ist und mit diesen kleinen Staaten diplomatische Beziehungen pflegt.
Auch dieses Argument gegen die Unabhängigkeit macht deutlich, dass nicht für das Baskenland sondern für Spanien negative Folgen bestehen, aber dies legitimiert das spanische Handeln nicht, denn dann dürften sich die Kolonien nicht gegen die Kolonialherren befreien, weil die Kolonialherren die daraus resultierenden wirtschaftliche Folgen tragen müssten.
Mariano Rajoy, der bei den letzten Parlamentswahlen am 14. März 2004 als Spitzenkandidat der Partido Popular für das Amt des Ministerpräsidenten kandidierte, begründete die Allianz mit der spanischen Regierung gegen die Autonomiebestrebungen der baskischen Territorien Januar diesen Jahres damit, dass „die Spanier von uns Stabilität und Sicherheit“ erwarten.


EU als Garant der Menschenrechte? Oder nur ein weiterer Renegat?
Ist die EU ein Garant für die Menschenrechte oder benutzt sie den Deckmantel der Menschenrechte, um ihre eigenen Interessen durchzusetzen?
Die Wiederentdeckung der Menschenrechte in Europa mit dem Jugoslawienkonflikt, zeigt nur wie verlogen die EU ist, denn auf der einen Seite sind die Waffenlieferungen an die Krisenregionen wie z.B. die Türkei und auf der anderen Seite sich für die Schutzengel der Demokratie ausgeben, in der Hoffnung, dass die europäische Bevölkerung vergesslich oder nicht nachtragend ist.
Ich möchte nicht darüber schreiben, ob die Menschenrechte in Jugoslawien gewahrt wurden, sondern warum das Selbstbestimmungsrecht der Völker auf dem Balkan in Brüssel gehör fand und die Unabhängigkeitsbestrebungen anderer wie die der Basken ignoriert werden. Geht es vielleicht den Boten der Menschenrechte nicht um ihre Einhaltung? Ich möchte nur an die Diskussionen in unserem Lande über die Legitimität von Folter, Grüne Waffenlieferungen in alle Welt oder die Beteiligung an dem Angriffskrieg im Afghanistan ansprechen.
Außenpolitik bedeutet in Europa nur die Durchsetzung der eigenen Interessen und wenn dabei irgendeiner Minderheit da Draußen geholfen wird, ist dies nur ein schmückender Nebenverdienst, aber nicht der Grund für das Handeln,
dies erkennt man bei der europäischen Auswahl der Beteiligung an solchen Befreiungsaktionen. Europa hatte ein Interesse, dass Jugoslawien in seine Einzelteile zerfällt, denn diese waren bei dem europäischen Schachspiel nicht dabei.
Die Frage, warum aber die europäischen Menschenrechtsengel in dem Baskenkonflikt kaum eingreifen, ist mit dieser Analyse der europäischen Außenpolitik vortrefflich gelöst, denn warum sollten auch die europäischen Spieler in dem Schachspiel ihren eigenen Mitspieler schwächen.
Die Menschenrechte als schmückender Nebenverdienst würden in diesem Konflikt die Verursachten negativen Folgen im Machtspiel nicht stopfen können, deshalb lässt man es ganz und kritisiert ab und zu den eigenen Mitspieler, mit dem eigens dafür geschaffenes Antifolterkomitee des Europarates, damit dieser seine Menschenrechtsverletzungen nicht all zu öffentlich vollzieht und Europa als eine soziale Institution propagiert werden kann.
Wäre die EU frei von dem Diktat des Kapitals und hätte ein Interesse, dass die Menschenrechte durchgeführt werden, dann würden sie im Baskenkonflikt ganz anders reagieren.


Europäische Lösung des Baskenkonfliktes - wenn die EU demokratisch wäre!
Wäre die EU an der Lösung des Baskenkonfliktes interessiert, dann würden sie anstatt oder mit der Osterweiterung am 01.05.04, in der 10 neue Länder in den Staatenbund aufgenommen wurden, eine innere Erweiterung vollziehen.
Aber die EU hat nur eine Erweiterung nach außen vollzogen, da sie nicht daran interessiert ist Konflikte zu lösen, sondern nur Interesse hat, dass europäische Machtgebiet zu vergrößern, um noch mehr Profite zu schöpfen.
Die innere Erweiterung würde bedeuten, dass die Basken und die anderen nach Unabhängigkeit strebenden Kräfte in der EU einen Sitz im Rat der Europäischen Union bekommen und ein vollwertiges Mitglied sind. Dies könnte der erste Schritt zu Unabhängigkeit eines landlosen Volkes sein, aber würde auch die territoriale Bestrebungen nicht aufheben, sondern nur eine größere Bühne für sie darstellen. Aber gerade diese Bühne braucht die baskische Bevölkerung um ihr Leid zu beenden, denn dann würde der öffentliche Druck auf Spanien lasten und sie wären dadurch gezwungen zu handeln. Ich hoffe nicht zu handeln im Sinne von Manuel Fraga Iribarne, sondern um wirklich das Problem zu lösen, welches nur mit einer vollständigen Unabhängigkeit des Baskenlandes möglich wäre.
Da die EU diese innere Erweiterung nicht vollziehen wird, müssen die Basken sich andere Bühnen suchen, um auf ihr Problem aufmerksam zu machen.

Keine Gewalt ist auch keine Lösung
Die Basken haben keine Unabhängigkeit als Nation, sondern sind abhängig von der spanischen Politik und ihrer Gerichtsbarkeit.
Die 1500 baskischen Gefangenen, die für eine Unabhängigkeit kämpften, zeigen die autonome Gerichtsbarkeit des Baskenlandes sehr deutlich.
Der spanische Staat hat durch das „friedliche“ Überleben des Francofaschismus nicht mit ihm gebrochen, weder sind die Faschisten aus den Ämtern gejagt worden, noch gab es eine Aufarbeitung der Diktatur. Das Grab von Franco und seine Geburtstadt sind Heute immer noch Wählfahrtsorte von den Rechten. Der spanische Staat hat weder mit dem Francofaschismus wirklich gebrochen, noch irgendeinen Folterer gerecht zu Rechenschaft gezogen.
Die ETA hat bis Heute bei jedem größeren Anschlag auf gefährdete Ziele, in dem bewusst Unschuldige sterben könnten, vorgewarnt, deshalb war es klar, dass die ETA nichts mit dem 11.März zu tun hatte, was die PP behauptete.
Die Ziele der ETA sind weder unschuldige Spanier noch Touristen.
Die ETA ist jederzeit bereit sich von der Gewalt zu distanzieren, nur unter der Bedingung, dass das Baskenland ihre vollständige Unabhängigkeit bekommt.
In der Geschichte gab es auch einseitige Waffenstillstände von Seiten der ETA, aber diese wurden dann gebrochen, da die Verhandlungen scheiterten.
Wenn die ETA ihre Ziele erreichen würden, dann hätten sie kein Interesse an der Gewalt, denn es ist für sie keine Freizeitbeschäftigung Bomben zu bauen, sondern ein Mittel zum Zweck.
Man darf die ETA nicht getrennt von der friedlichen Bewegung sehen, sondern muss sie als einen Teil von ihr sehen, der die Aufmerksamkeit der Welt auf sie richtet. Sie übt Druck auf die spanische Regierung aus, diesen Konflikt zu beenden, da sie ihm schadet.
Einer kleinen Befreiungsbewegung muss klar seien, dass sie niemals im Kampf gegen einen mächtigerer Feind siegen kann, deshalb braucht sie ja auch legale Arme, die Verhandlungen führt und Propaganda verbreitet.
Der bewaffnete Arm der Bewegung zeigt der Welt, dass die Bewegung sich wehrt, macht ihr durch die Verletzbarkeit des Feindes Mut und dient als Druckmittel, denn warum sollten die Herrschenden mit den Unterdrückten verhandeln, wenn sie nichts zu befürchten hätten.
Gewalt stellt nur ein Instrument dar, wie z.B. Demonstrationen und Streiks, welches unter bestimmten Bedingungen seine Berechtigung hat und die Bewegung nähr zum Ziel bringt.
Aus Menschlichkeit wurde den Beherrschten dieser Welt noch nie was geschenkt, jeglicher menschlicher Fortschritt wurde erkämpft!


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